Ein Pale Ale aus Berlin. Fancy Bier aus einer fancy Stadt. Die Brauerei heißt Lemke und die Flasche wirbt gleich mal für eine Brauerei-Tour. Mit 5% Alkohol keines der starken Pale Ales, trotzdem sieht man sich in der Tradition dieser Sorte:
Ursprünglich in englischen Pubs als “Bitter” gezapft, wurde es in der Flasche zum Pale Ale. Anfang der 1980er Jahre interpretierten Brauer in den USA diesen Stil neu. Es dominieren tropisch-fruchtige Hopfennoten. Die angenehme Bittere wird von der Restsüße ausbalanciert, ein kompakter Malzkörper bringt Nuancen von Toffee und Toast. Frisch und durstlöschend!
Nun hoffe ich, dass der Trunk hält, was die Flasche verspricht.
Farbe: Nicht so dunkel wie auf dem Foto, aber es hat eine schöne, beinahe rötliche Bernsteinfarbe. Dazu trüb. Ganz klassisch für heutige Pale Ales, die gar nicht mal so “pale” sind.
Geruch: Die Flasche hält Wort, denn es riecht sofort fruchtig und tropisch. Kann Hopfen bitter riechen? Ich meine jedenfalls, dass es bei diesem Bier so ist. Das Malz verschwindet vom Duft her dabei völlig.
Schaum: Sehr grobporig für ein Obergäriges, aber fest. Vielleicht nicht der stabilste Schaum aller Pale Ales, doch ausreichend gut, um der Sorte gerecht zu werden.
Einstieg: Wie das prickelt. Könnte von der Rezenz her auch ein Hefeweizen sein. Die sind ja ebenfalls fruchtig, jedoch meistens nicht tropisch-fruchtig. Die exotischen Früchte schmeckt man schon im Antrunk klar heraus.
Auf der Zunge: Zitrus, Litschi, Mango? Gefühlt ist für jeden was dabei. Die Hopfenaromen sind - natürlich - dominant. Das Malz bringt eine Spur von Toast ins Bier. Gar kein schlechter Malzkörper für ein sonst so hopfenbetontes Pale Ale. Der Rest gestaltet sich feinherb. Bislang für mich eine recht stimmige Komposition.
Abgang: Mir persönlich, wie so oft, etwas zu bitter. Das Gute daran: Die Bittere hängt nicht lange im Hals. Könnte sicher süffiger sein, nur, wäre es dann noch ein Pale Ale? Durstlöschend ist der Schluck auf jeden Fall.
Fazit: Ein sehr gutes Pale Ale aus meiner Sicht und es ist ja nun nicht meine Lieblingssorte. Mit der Bitterkeit komme ich größtenteils gut zurecht, die Aromen an sich sind gut auskomponiert. 9/10.