Vor einigen Jahren verriet mir die Mitarbeiterin einer industriellen Brauerei einmal, dass zu den Festtagen die Brauer mal von der Leine gelassen werden und quasi brauen dürfen wie sie wollen und mit den Zutaten, die sie wollen. Dabei entstehen dann meist limitierte, saisonale, interessante Biere. Vielleicht steht mit dem Bitburger Winterbock ja ein solches vor mir. Ich hoffe jedenfalls, dass dieses helle Bockbier mir zusagt, wenn ich schon extra mal ein Bitburger kaufe. Bei den dunkleren habe ich ja des Öfteren so meine Schwierigkeiten. 7% Alkohol versprechen einiges.
Gebraut von unserem Braumeister Stefan Meyna, in unseren Lagerkellern bei -2 Grad gereift. Verfeinert mit bestem Bitburger Siegelhopfen und Aromahopfen Callista.
Klingt einigermaßen fancy.
Farbe: Wie versprochen, handelt es sich um ein Helles. Nicht ganz so hellgelb wie ein Pils, aber auch noch kein echter Bernstein. Irgendwie dazwischen und mit leichter Trübung. Ich bin überrascht.
Geruch: Es riecht gar nicht mal alkoholisch. Im ersten Moment könnte man ein ganz gewöhnliches, helles Lager vermuten. Eine schöne Portion Malz im Duft, erinnert an Toast mit Karamell. Den Hopfen rieche ich noch nicht
Schaum: Eine schön anzusehende, cremige Schaumkrone, die aber auch recht schnell wieder vergeht. Zu einem Glas Apfelsaft mutiert es jedoch nicht.
Einstieg: Im Duft bemerkte ich den Hopfen nicht, aber jetzt im Antrunk ist der Callista direkt da. Das wird fruchtig! Das Malz zeigt sich auch eher süßlich. Könnte eine Art Pale Ale Bockbier sein.
Auf der Zunge: Das Malz spielt nur die zweite Geige, ergänzt sich aber gut mit dem Aromahopfen, der den Geschmack fruchtig-herb dominiert. Tropische Früchte, um genau zu sein. Wäre es spritziger, könnte man es wirklich für ein Pale Ale halten. Dafür gibt es aber doch zu wenig Kohlensäure. Schal ist es aber nicht, kein Sorge. Definitiv ein vollmundiges Bier, ist ja auch ein Bock. Der Alkohol lässt sich nur erahnen, wenn man wirklich darauf achtet.
Abgang: Es wird spürbar bitterer, was der Süffigkeit etwas abträglich ist. Zugute halten muss ich dem Abtrunk aber, dass er recht trocken daher kommt. Ich muss nicht lange unter der Bittere leiden. Da hängt nichts nach.
Fazit: Ich kann mich nur wiederholen: ich bin überrascht. Würde Bitburger doch immer so interessante Biere fabrizieren. Hier gelingt ihnen ein Bock, dem man gar nicht groß anmerkt, dass es ein Starkbier ist. Das ist schon eine Leistung. Vom Aroma her passt es mir auch weitestgehend. 8/10.