Huppendorfer Bier - ist eine Weile her. Damals ein ziemlich überzeugendes Bier. Heute auch? Immerhin steht ein Zwickel vor mir. Was soll also schon schiefgehen? Laut Flasche ist es immerhin nach einem überlieferten Familienrezept gebraut und diese sind ja stets schmackhaft, wie man aus der Werbung weiß. Wer noch nicht überzeugt ist, dem bezeugt die Website der Brauerei die Qualität ihres Erzeugnisses:
Helles, unfiltriertes Bier mit leichter Trübung, so wie es nach traditioneller, langer Reifung direkt aus dem Lagertank entnommen wird. Mit seiner goldgelben Farbe und feinporigem Schaum verspricht das Zwickel, was sich später im Geschmack bestätigt. Leichte Malzigkeit im Antrunk, gefolgt von einem erfüllenden, vollmundigen Körper und gepaart mit feinfruchtiger Hopfennote laden zu weiterem Biergenuss ein.
Mit einem Alkoholgehalt von 4,9% und einer Stammwürze von 11,6 erfreut sich unser Zwickel zunehmender Beliebtheit und ist seit 2006 als ganzjähriges Bier der Baurerei fester Bestandteil des Sortiments.
Gibt schon mal Pluspunkte für die ausführliche Beschreibung. Auf die geschmackliche Beschaffenheit der feinfruchtigen Hopfennote bin ich besonders gespannt.
Farbe: Wie angekündigt ist es ein Helles. Könnte glatt als Pils durchgehen, wäre es nicht so trüb (gibt auch trübe Pilsner, ich weiß). Keine Sorge, eine absolut undurchsichtige Hefesuppe (wie meistens die letzte Flasche, die ich aus einem Sud abfülle, so mancher Freund weiß ein Lied davon zu singen) ist es nicht. Eher sympathisch naturtrüb.
Geruch: Es schwefelt leicht! Endlich mal ein Bier, dem ich komplett abnehme, ein Zwickel zu sein. Die Hefe ist einfach nicht zu überriechen. So riecht es auch oft, wenn ich selbst braue (Ausnahmen bestätigen die Regel). Der Hefeduft überlagert ein bisschen den eher feinwürzigen als fruchtigen Hopfen und das getreidig riechende Malz.
Schaum: Schäumte ordentlich. Feinporig stimmt. Nicht der allerstabilste Schaum, aber auch nicht enttäuschend. Oberer Durchschnitt würde ich sagen.
Einstieg: Malzig-süßer Beginn, gar nicht mal wenig Kohlensäure und ein sämiges Mundgefühl, so ein bisschen hefeschleimig, allerdings nicht störend, würde ich also nicht als Braufehler einordnen. Der Hopfen auch schon bemerkbar, doch eher feinherb als fruchtig.
Auf der Zunge: Es wird ein kleines bisschen zitronig, sodass ich den Geschmack tatsächlich eher dem Hopfen als der Hefe zuordnen würde (im ersten Moment war ich nicht ganz sicher). Der feinherbe Faktor bleibt ebenfalls, vermengt sich jedoch passend mit dem Rest der Aromen, zu denen auch eine brotige Malznote gehört. Erinnert mich von der Komposition sehr an ein typisches Müncher Hell, nur mit etwas mehr Hopfen und Hefe in den Geschmacksnoten. Hundertprozentig vollmundig finde ich es übrigens nicht, aber das Bier ist ein richtig guter, erfrischender Durstlöscher.
Abgang: Ein erstaunlich trockener Abtrunk. Das brotige Malz jetzt wesentlich deutlicher. Absolut süffig, wenn man mit der leichten Hefenote zurechtkommt (kein Problem für mich, ich mag es ja naturtrüb).
Fazit: Das Huppendorfer Zwickel ist ein vorzügliches Bier, das mir sogar noch einen Tick besser gefällt als ihr Vollbier. Lob an die Brauer für ein annähernd perfektes Bier. 9.5/10.