Selbst Bier brauen - ein Erfahrungsbericht Teil 1

Selbst Bier brauen - ein Erfahrungsbericht Teil 1

von: Bierblog

erstellt am: 03.05.2019

Jeder, der sich ein Stück weit für Bier interessiert, hat früher oder später einmal die Idee, selbst welches herzustellen. So auch ich. Allerdings liegt das bereits 9 Jahre zurück. Entgegen vieler Hobbybrauermeinungen empfinde ich den Prozess nämlich nicht als einfach und mit ein paar Töpfen und Kellen zu bewerkstelligen. Dennoch habe ich es gewagt, so manches an Equipment erworben und mit zwei Freunden am 16. März diesen Jahres durchgezogen. An dieser Stelle möchte ich den Weg zu diesem ersten eigenen Bier ein Stück weit dokumentieren.

Am Anfang war die Informationsfülle

Im Rahmen eines Bierseminars in der Schlossbrauerei Weesenstein erhielt ich im Jahr 2010 erste Einblicke in den Brauprozess, einen Gutschein für Brauzutaten und eine Kurzanleitung zum Heimbrauen. Da nach dem Lesen der Anleitung doch so manche Frage offen blieb, besorgte ich mir zusätzlich noch das eine oder andere Buch über das Heimbrauen. Hier ereilte mich dann auch der erste Rückschlag: Die Liste an Gerätschaften, die man zum Brauen idealerweise benötigt, war lang. Über Jahre konnte ich mich dann nicht aufraffen, alle notwendigen und teilweise auch kostspieligen Utensilien zu beschaffen. Einerseits hätte ich sicher auch mit dem Billigsten auskommen können, aber na ja, wer billig kauft, kauft zweimal.

Das nächste Problem war, dass zwar der Brauprozess im Allgemeinen in der Literatur und auch im Netz ähnlich beschrieben wird, aber sich in den Details doch oft etwas unterscheidet. Überall steht es ein bisschen anders. Ein Blick in diverse Hobbybrauerforen kann manche Frage klären, aber auch zusätzliche Verwirrung verursachen, zumindest bei mir. So blieb zwar der Wunsch, selbst zu brauen, aber die Motivation, es endlich anzugehen, schwand mit der Zeit. Als gegen Ende letzten Jahres dann endlich einmal Geld für solche Anschaffungen übrig war (ich fand zuvor immer Gründe, warum ich andere Dinge zuerst kaufen sollte), standen die Sterne günstig. Außerdem quälte ich mich ein Stück weit durch verschiedene Bücher und Anleitungen, um “meinen” Brauprozess, der mit meinen Geräten durchführbar ist, zu finden.

Alles, was notwendig ist (oder auch sein könnte)

Was habe ich also alles eingekauft? Ich versuche es mal, zusammen mit ein paar Zusatzinfos über das Warum und Wieso, darzustellen.

  • Einkochtopf/Sudkessel (Edelstahl), 2000 Watt - Mein Modell kam mit Zeitschaltuhr, Thermostat und Ablaufhahn, letzterer war nützlich, die Zeitschaltuhr braucht man an sich nicht, das Thermostat kann etwas nervig sein (dazu später mehr) und ist von der Präzision her auch nicht ausreichend
  • Isolierung - wirklich praktisch, um Temperaturen schneller zu erreichen oder zu halten
  • Gäreimer/Läutereimer (Edelstahl) - Ebenfalls mit Ablaufhahn, hier deutlich nützlicher, dazu gab es eine Gärglocke, die ein nettes Extra ist, zudem gab es einen Senkboden, der beim Läutern sehr praktisch war
  • Braupaddel - einfach nur ein großer langer Holzlöffel zum Umrühren
  • 5-Liter Messbecher - wer mal an die 20 Liter ab- oder umfüllt, wird froh sein, so was zu haben
  • Filter aus Edelstahl - wiederverwendbar, daher fand ich es besser als Hopfensäcke o.ä.
  • 2 Thermometer - doppelt hält besser, eins war ein Stabthermometer direkt für das Bierbrauen, eines eigentlich ein Fleischthermometer, funktionierte dennoch wunderbar
  • Jod-N-50-Lösung - für die Jodprobe(n)
  • Sieblöffel - zum Abschöpfen von Rückständen und für den geregelten Nachguss
  • Würzespindel - zur Bestimmung der Stammwürze, war bei mir mit beim Gäreimer dabei, inklusive praktischer Umrechnungstabellen
  • Spindelzylinder - zum Spindeln!
  • leere Bügelverschlussflaschen - die kann man in jedem Supermarkt kaufen, man muss sie nur leer machen, was teilweise am Brautag geschehen ist
  • Flaschenbürste - damit die Flaschen auch sauber werden
  • Aquariumthermometer - lässt sich wunderbar am Gäreimer anbringen, um die Gärtemperatur im Auge zu behalten (und ist erstaunlich präzise)
  • Silikonschlauch - der erwies sich an mehreren Stellen als praktisch, um z.B. beim Abläutern oder Filtern nicht so viel Sauerstoff ans Gebräu rankommen zu lassen
  • Küchenwaage - hier hatte ich nur eine mechanische, deren Genauigkeit nicht so ganz ausreichte
  • ein zweiter Einkocher - ja hier war ich bequem. Ich brauchte ihn für den Nachguss, weil meine Töpfe nicht groß genug waren und ich auch keine Lust hatte, groß wegen den notwendigen Temperaturen rumprobieren zu müssen (so ca. 80 Grad), also noch schnell das so ziemlich billigste Emaille Produkt mit guten Bewertungen bei Amazon bestellt und ich habe es nicht bereut.
  • Schöpflöffel - war ebenfalls beim Gärbottich dabei und ließe sich auch wunderbar für Suppen verwenden.
  • 3,3 Kg Pilsener Malz
  • 300g Karamelmalz
  • 900g Roggenmalz
  • 50g Hallerauer Tradition Pellets
  • 11,5g Fermentis Safale S-04 Trockenhefe

So weit mein Equipment. Man kann sich da noch vieles mehr besorgen, um das Brauen angenehmer zu gestalten. Man kann ebenso mit weit weniger auskommen.

Weitere Vorbereitungen

Wie oben erwähnt, habe ich mehrere Brauanleitungen verglichen und, mit Berücksichtigung des Rezepts (20 Liter obergäriges Roggenbier aus dem Buch “Bier selbst gemacht” von Udo Krause), nach dem ich gebraut habe, eine eigene Checkliste all der Dinge erstellt, die meines Erachtens nach zu tun sind. Zusätzlich habe ich das Brauprotokoll von Hagen Rudolph eingesetzt, um die verschiedenen Zeiten zu erfassen. Ich spülte zudem schon vor dem Brautag einige Flaschen, um einen Teil der Bierwürze als Speise abfüllen zu können.

Außerdem schickte ich einen formlosen Brief ans Hauptzollamt, wann ich wo in welcher Menge und mit welchem Stammwürzegehalt ich Bier herzustellen gedenke. Eine lästige bürokratische Pflicht, aber ich denke meine bisherigen Ausführungen zeigen schon, dass man eben nicht einfach mal so Bier braut, sondern sich schon ein wenig mit der Materie auseinandersetzen muss.

An dieser Stelle beende ich diesen schon etwas längeren Text und verweise auf Teil 2 - den eigentlichen Brautag.

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