Ein Jahr als Heimbrauer

Ein Jahr als Heimbrauer

von: Bierblog

erstellt am: 15.03.2020

Seit einem Jahr bin ich nun Hobbybrauer. Zeit genug, um einen Blick zurück auf das Braugeschehen zu werfen. Über meinen ersten Brauvorgang habe ich ausführlich hier berichtet. Wer also einen grundlegenden Einstieg in die Materie sucht, kann dort anfangen. Hier soll es nun darum gehen, welche Biere im Verlauf dieses Jahres noch entstanden sind, sowie um meine Erfahrungen und Erlebnisse dabei.

Das Hefeweizen

Mein zweiter Versuch im Juni war erneut ein obergäriges Bier, ein Hefeweizen, um genau zu sein. Hier hatte ich einmal mehr zu stark eingebraut und musste Wasser nachfüllen. Als es an die Hauptgärung ging, fand gerade die erste Hitzewelle 2019 statt, so dass ich eigentlich die ganze Zeit befürchtete, dass die Temperaturen zu hoch sind. Am Ende kam zwar nicht das perfekte, aber ein durchaus trinkbares Weizen heraus. Allerdings muss man dazu sagen, dass die verwendete Trockenhefe nicht dieselben intensiv-säuerlichen Fruchtaromen hervorzubringen vermochte, wie eine vergleichbare Flüssighefe. Die Zielsetzung für dieses Jahr ist daher, ein Weißbier mit Flüssighefe aus Weihenstephan zu brauen.

Das erste untergärige Bier

Nach dem Weizen war es lange zu warm, um vernünftige Gärtemperaturen zu bekommen. Als es kühler wurde, war ich vier Wochen außer Landes. Daher fand der nächste Brautag erst im Oktober statt. Immerhin war es kühl genug, um es untergärig zu versuchen. Aller guten Dinge sind drei, denn ich hatte scheinbar wieder zu wenig Wasser in den Sud getan und musste ein bisschen nachjustizieren, allerdings schon weniger als sonst. Die Hauptgärung verlief insgesamt zu warm, aber es entstanden neun Liter Rauchbier, die ich nichtsdestotrotz als gelungen empfand. Beim Probieren nach einer Woche Kaltlagerung hatte ich noch das Gefühl, dass Fehlaromen entstanden waren. Eine Woche danach waren diese aber schon nicht mehr wahrzunehmen.

Leider hatte ich mit diesem Sud auch zum ersten Mal Probleme mit Gushing. Ungefähr ein Drittel der Flaschen lief nach dem Öffnen einfach über. Ich weiß bis heute nicht so recht, woran es lag. Ein befreundeter Braumeister bestätigte mir, dass das Bier nicht überkarbonisiert war und wohl eher Kleinstverunreinigungen in der Flasche dazu geführt haben. Mein Ziel ist daher, früher oder später mit Druck zu reinigen, um solchen unerfreulichen Erlebnissen vorzubeugen. Sollten es die Rohstoffe gewesen sein: Pech gehabt.

El rojo

Da das Rauchbier trotzdem geschmeckt hat, war ich motiviert, direkt noch einmal zu brauen. Daher entstand Ende November mein erster Versuch eines Rotbiers. Rubinrot ist es zwar nicht geworden, aber es ging wenigstens halbwegs in die Richtung. Die Hauptgärung verlief dieses Mal mit gleicher Hefe kühler als beim Rauchbier. Nachdem etwa zwei Tage nichts im Kessel passiert war, fügte ich noch ein Päckchen Hefe hinzu (war auch die Herstellerempfehlung für den Temperaturbereich). Danach ging es endlich los. Nach zehn Tagen konnte ich speisen und abfüllen. Auch bei diesem Bier bemerkte ich den etwas seltsamen Geschmack nach einer Woche Kaltlagerung, verließ mich jedoch darauf, dass dieser schon verschwinden würde, was dann auch so war. Herauskam das bis dato beste Bier, das ich produziert habe. Sicher nicht auf dem Niveau Nürnberger Rotbiere, aber einfach verdammt süffig. Noch besser: Kein Gushing in keiner einzelnen Flasche. Ein schönes Erfolgserlebnis, das auch sehr wohlwollend von anderen aufgenommen wurde. Übrigens hatte ich dieses Mal von vorn herein etwas mehr Wasser genommen, so dass ich bei 11,7% Stammwürze herauskam. Mein Zielwert war 12% gewesen, also konnte ich damit leben.

Roggen reloaded

Ursprünglich hatte ich vor, zu Weihnachten erneut zu brauen, daraus wurde dann aber nichts. Also ging es erst 2020 weiter und zwar mit dem Bier, mit dem alles begann. Ich nahm mir vor, erneut Roggenbier herzustellen, dieses Mal aber untergärig mit der W 34/70, die ich auch für die letzten Biere verwendet hatte. Da es nun noch kälter war (Anstelltemperatur 9 Grad), habe ich sofort zwei Päckchen Hefe hineingetan. Trotzdem ging die Gärung nicht so richtig los, so dass ich den Pott erst wieder wärmer stellen musste. Danach verlief alles weiter sehr schwerfällig und den Endvergärungsgrad konnte ich erst nach 14 Tagen erreichen. Zwischendurch gab es wieder einige Temperaturausschläge nach oben und nach unten, so dass ich immer mehr daran denke mir eine ordentliche Kühlmöglichkeit anzuschaffen, damit ich gleiche Temperaturen über längere Zeiträume garantieren kann. Perfekt lief es bei diesem Sud mit der Stammwürze. 12,6% angepeilt und 12,6% erreicht, aber ich hatte ja auch Erfahrungswerte von dem Braugang von vor einem Jahr und konnte daher die Wassermenge von Beginn an korrigieren.

Inzwischen schmeckt auch dieses Bier mir wieder gut, wenn ich auch das Gefühl habe, dass die W 34/70 nicht so neutral im Geschmacksprofil ist, wie manche meinen. Ich komme gut damit zu recht, werde aber dennoch mal andere untergärige Hefen testen. Ich bin einfach zu neugierig, welchen Unterschied das macht.

Die Angst vor dem Fehlschlag

Gewisse Ängste habe ich eigentlich noch immer bei jedem Brauvorgang. Damit ich nichts vergesse, habe ich mein Protokoll und setze die verschiedenen Brauschritte insgesamt recht penibel um. Inzwischen bin ich natürlich etwas ruhiger und weniger aufgeregt, vor allem, da bisher alle Biere trinkbar und keines ein echter Misserfolg war. Dennoch gibt es immer Befürchtungen, dass doch einmal etwas schiefgeht und ich dann 20 Liter Herzblut wegkippen muss. Das wäre schade. Hoffen wir, dass das weiterhin nicht passiert.

Da man sich dennoch bei jedem etwaigen Fehlaroma oder komischen Geruch so seine Gedanken macht, gebe ich an dieser Stelle noch einen Tipp: Nicht verrückt machen (lassen), Geduld ist eine Tugend. Ein Bier, das nach einer Woche Lagerung einen etwas seltsamen Geschmack hat, kann zwei Wochen später sehr gut schmecken (selbst erlebt, siehe oben). Man neigt natürlich trotzdem dazu nach den Erlebnissen anderer im Internet Ausschau zu halten. Meine Erfahrung damit ist, dass vielen Ähnliches passiert, aber nicht hundertprozentig das Gleiche. Manche Foren-Threads verstärken die Ängste dann nur und führen vielleicht dazu, dass man Bier wegkippt, das völlig in Ordnung war. 

Als Vergleich passend ist vielleicht, wenn man mal seine eigenen Krankheitssymptome googelt. Im Internet ist ja jeder Kopfschmerz gleich ein Hirntumor, bei Bieren hat man bestimmt resistente Keime vom Mars. Mein Credo daher: Geduld ist eine Tugend. Und bei Krankheiten geht man lieber zum Arzt.

Die Utensilien

Mein Equipment hat sich seit dem ersten Brauen kaum verändert. Es ist noch eine Miniwaage für das Wiegen des Hopfens hinzugekommen. Außerdem habe ich einen Gäreimer mit Graduierung gekauft, damit ich sehen kann, wie viel Liter ungefähr rausgekommen sind. Das hilft bei der Berechnung der Speise. Insgesamt fülle ich aber meistens einfach 2,5 Liter Speise ab. Irgendein Wert zwischen 1,7 und 2,3 ist bislang bei jeder Berechnung herausgekommen, so dass man mit dieser Menge immer gut fährt (zumindest, wenn man 20 Liter Bier anpeilt, wie ich). Ich peile noch ein Rührwerk für meinen Sudkessel an, das wäre wirklich eine Erleichterung. Ich würde auch gern mal auf einem Gasherd brauen, nur um zu sehen, wie sich das anfühlt. Vielleicht kann man ja Outdoor-Brauer werden ha ha.

Wie es 2020 weitergeht

Es geht natürlich weiter mit dem Brauen, denn es macht nach wie vor jede Menge Spaß, auch wenn es für mich körperlich anstrengend ist. Nach sechs bis sieben Stunden hat man dann aber auch das Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben. Trinkt man die erste Flasche ein paar Wochen danach und es schmeckt, stellt sich noch mehr Zufriedenheit ein.

Aufgrund der mehrheitlich positiven Erfahrungen, habe ich auch für dieses Jahr einige Biere geplant. Da nun der Frühling beginnt, beginnt für mich damit wieder die Phase des obergärigen Brauens. Zunächst habe ich vor, ein Altbier nach Düsseldorfer Art oder ein altfränkisches Braunbier zu brauen. Ich bin noch nicht ganz sicher, welches als erstes drankommt. Angesprochen habe ich bereits, dass auch Weizen noch einmal hergestellt werden soll, dann aber mit Flüssighefe. Das wäre für mich das erste Mal. Ich bin jedenfalls gespannt. Im Winter könnte dann wieder ein untergäriges, dunkles Bier kommen. Das Rote hätte ich außerdem auch gern wieder, aber mit anderer Hefe.

Am liebsten würde ich außerdem noch lernen, wie man in kleine Fässer (5L) abfüllt, damit man das eigene Bier auch mal problemlos verschenken oder zur Party mitbringen kann. Des Weiteren ist noch geplant, mal mit einem echten Braumeister zusammen zu brauen. Da werde ich dann hoffentlich noch ein paar Braufehler abstellen können und würde natürlich hier im Blog darüber berichten.

Fazit

Heimbrauen ist eine tolle Sache, die Spaß macht und sogar ein kleines soziales Ereignis sein kann, wenn man es mit mehreren Leuten zusammen durchzieht. Ich werde es jedenfalls weiterhin tun und bin nach wie vor nach jedem Brauvorgang gespannt, wie das Ergebnis wohl aussehen wird. Sollte das Corona Virus mich also nicht von sämtlichen Brauzutaten abschneiden, wird auch 2020 wieder kräftig gebraut.

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